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Exkursionen in Brandenburg 2014

27.07.2014 - Auf der Suche...

Eigentlich hatte ich den obligatorischen Besuch der Schönower Heide in diesem Jahr ja schon hinter mir, aber das Foto einer anderen Naturfotografin, welches vor ein paar Tagen in meiner Lieblingsheide gemacht wurde, ließ mich meine Pläne kurzfristig ändern. Auf diesem war nämlich das Männchen einer Spring­spinnenart zu sehen, von der ich zwar wußte, daß sie in Brandenburg vorkommt, die ich nun jedoch schon lange ohne Erfolg suche. Dazu aber später...

Denn nachdem mir meine neue Bekannte den genauen Aufnahmeort ihres Fotos gezeigt hatte, fand ich dort statt dem Objekt meiner Begierde erst einmal eine andere arachnologische Kostbarkeit - und das in ziemlich großer Menge.

Die Rede ist von der Luchsspinne Oxyopes ramo­sus. Zwar ist die Art in Deutschland weit verbreitet und in geeigneten Lebensräumen häufig anzutref­fen, steht aber wegen ihrer allgemeinen Seltenheit auf der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzen­arten.

Ihre Vorliebe für sonnige und trockene Sandböden schränkt die Auswahl an brauchbaren Biotopen sehr stark ein. Ein Hotspot sind dabei die Heidegebiete der Norddeutschen Tiefebene.

Meist findet man die Tiere in niedriger Vege­tation. In meinem Fall handelte es sich hierbei um einen großen Bestand an Heidekraut.

Oxyopes ramosus
Gattungssuche Oxyopes ramosus - Luchsspinne ♀
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Nr. 2014.97_103kl_r100 %
97_103kl_r
Oxyopes ramosus
Luchsspinne ♀
65mm; F/5.6 (DFF); 1/13s; ISO 400
Canon EOS 50D
Oxyopes ramosus
Gattungssuche Oxyopes ramosus - Luchsspinne juv.
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Nr. 2014.233_41kl_R100 %
233_41kl_R
Oxyopes ramosus
Luchsspinne juv.
65mm; F/3.2 (DFF); 1/25s; ISO 400
Canon EOS 50D

Interessanterweise ähnelt die Lebensweise der Luchsspinnen stark der meiner springenden Lieblinge. Das beste Beispiel ist dabei ihr Jagdverhalten. Genau wie die Springspinnen erbeuten sie ihre Nahrung ohne Netze. Als tagaktive Jäger mit sehr gutem Sehvermögen schleichen sie sich an ihre Opfer heran und erbeuten diese dann im Sprung. Dabei machen sie durchaus keine schlechtere Figur als die Spinnen, die diese Fangtechnik im Namen tragen.

Leider waren die Luchsspinnen, wenn auch ein Highlight, nicht das, was ich ursprünglich erhofft hatte zu finden und deshalb ging meine Suche weiter. Der Erfolg ließ allerdings noch eine ganze Weile auf sich warten, denn scheinbar waren meine Wunschmotive hier lange nicht so häufig wie Oxyopes ramosus.

Evarcha laetabunda
Gattungssuche Evarcha laetabunda - Springspinne ♀Springspinnengalerie
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Nr. 2014.341_46kl_r100 %
341_46kl_r
Evarcha laetabunda
Springspinne ♀
65mm; F/5 (DFF); 1/5s; ISO 400
Canon EOS 50D

Die auf warme und trockene Lebensräume spezia­lisierte Art kommt, während sie in Südeuropa recht häufig ist, in Mitteleuropa meist nur in klimatisch begünstigten Regionen vor.

Da das Glück jedoch bekanntlich mit dem Tüchtigen ist, konnte ich mit viel Geduld dann aber tatsächlich noch ein Pärchen der bei uns recht seltenen Spring­spinne Evarcha laetabunda aufspüren.

Evarcha laetabunda
Gattungssuche Evarcha laetabunda - Springspinne ♂Springspinnengalerie
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Nr. 2014.9866_74kl_r100 %
9866_74kl_r
Evarcha laetabunda
Springspinne ♂
65mm; F/6.3 (DFF); 1/4s; ISO 640
Canon EOS 50D

Gräser und niedrige Zwergsträucher bilden dabei ihren Lebensraum. Im vorliegenden Fall konnte ich sie ausschließlich auf Heidekraut beobachten - übrigens gemeinsam mit ihren Schwesterarten Evarcha arcuata und Evarcha falcata, die sehr ähnliche Habitate bevorzugen, in Mitteleuropa aber weitaus häufiger vor­kommen als Evarcha laetabunda.

Evarcha laetabunda
Gattungssuche Evarcha laetabunda - Springspinne ♀Springspinnengalerie
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Nr. 2014.118_23bkl_r100 %
118_23bkl_r
Evarcha laetabunda
Springspinne ♀
65mm; F/6.3 (DFF); 1/2s; ISO 640
Canon EOS 50D
Evarcha laetabunda
Gattungssuche Evarcha laetabunda - Springspinne ♂Springspinnengalerie
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Nr. 2014.9975_82kl_r100 %
9975_82kl_r
Evarcha laetabunda
Springspinne ♂
65mm; F/6.3 (DFF); 1/6s; ISO 640
Canon EOS 50D
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25.05.2014 - Mal wieder...

Wie jedes Jahr mußte ich auch in diesem mindestens einmal in der Schönower Heide vorbeischauen. Heute war es nun so weit - im Gegensatz zu den letzten Jahren jedoch nicht im Rahmen eines Familienausflugs, sondern ausschließlich um meinen Naturforscherdrang zu befriedigen. Außerdem wollte ich mich diesmal lediglich auf meine springenden Lieblinge konzentrieren - und wurde bei der Suche nicht enttäuscht.

Die Schönower Heide bietet den kleinen Springern eine Vielzahl unterschiedlicher Mikrohabitate - von großen offenen Sandflächen und mit Flechten be­deckten harten Bodenstrukturen über Sandtrocken­rasen bis hin zu üppig mit Heide bewachsenen Bereichen nebst kleinen meist solitär stehenden Kiefern.

Euophrys frontalis
Gattungssuche Euophrys frontalis - Kettenstreifige Springspinne ♂Springspinnengalerie
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Nr. 2014.6266_74kl_r100 %
6266_74kl_r
Euophrys frontalis
Kettenstreifige Springspinne ♂
65mm; F/6.3 (DFF); 1/1s; ISO 400
Canon EOS 50D
Euophrys frontalis
Gattungssuche Euophrys frontalis - Kettenstreifige Springspinne ♂Springspinnengalerie
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Nr. 2014.6365_74kl_r100 %
6365_74kl_r
Euophrys frontalis
Kettenstreifige Springspinne ♂
65mm; F/5.6 (DFF); 1/2s; ISO 200
Canon EOS 50D

Eines jedoch haben alle diese Lebensräume gemein­sam - es sind Extremstandorte. Durch den Mangel an Schatten und Wasser, welches hier im sandigen Boden schnell versickert, sind sie ganzjährig trocken und heiß. Und wenn dann noch eine kräfige Brise weht, die hier keine Hindernisse zu fürchten braucht, fühlt man sich schon fast wie in einer Steppe in der Mongolei.

Das schöne jedoch ist, daß ein jeder dieser Lebensräume einer Vielzahl unterschiedlicher und meist hochspezialisierter Arten ein Auskommen sichert. Da bilden die Springspinnen keine Ausnahme. Und je bunter das Mosaik an Mikrohabitaten ist, desto größer ist auch die Artenvielfalt im gesamten Biotop.

Heliophanus dubius
Gattungssuche Heliophanus dubius - Springspinne ♂Springspinnengalerie
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Nr. 2014.6035_38kl_r100 %
6035_38kl_r
Heliophanus dubius
Springspinne ♂
65mm; F/8 (DFF); 1/4s; ISO 400
Canon EOS 50D

Lange Zeit wurde das Gebiet als Truppenübungs­platz der Armee genutzt, wodurch sich die Natur weitgehend frei entfalten konnte, da dem Normal­bürger und der mit ihm oft einhergehenden nega­tiven Beieinflussung so der Zutritt verwehrt blieb.

Umso mehr freut es mich daher auch, daß dieses tolle Stück Natur lediglich eine halbe Autostunde von meinem zu Hause entfernt ist.

Leider werden derartige Lebensräume in Deutsch­land immmer seltener - vor allem in solch einer flächenmäßigen Ausdehnung wie sie die Schönower Heide bietet. Doch von ungefähr kommt das auch hier nicht.

Heliophanus dubius
Gattungssuche Heliophanus dubius - Springspinne ♂Springspinnengalerie
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Nr. 2014.6192_97kl_r100 %
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Heliophanus dubius
Springspinne ♂
65mm; F/8 (DFF); 1/3s; ISO 400
Canon EOS 50D

Nach dieser langen Einführung nun aber endlich zu meinen springenden Fotomotiven. Beim ersten Fund des Tages handelte es sich um ein circa 2 mm großes Männchen der Kettenstreifigen Springspinne, welches besonders in seiner farbenfrohen Frontalansicht ein wirklich fotogenes Motiv (siehe oben) darstellt. Zwar hatte ich diese Art schon mehrmals vor meiner Linse, aber ein paar hochauflösende Aufnahmen des Herren fehlten mir dann doch noch. Infos zur Art gibt es im Bericht zu meiner ersten Erstbegegnung.

Quasi gleich nebenan konnte ich dann auch schon meinen ersten wirklichen Wunschkandidaten für die Galerie ablichten.

Denn am selben Holzpfahl krabbelte tatsächlich auch noch das Männchen von Heliophanus dubius herum, einer Springspinnenart, der ich hier im vorigen Jahren schon einmal begegnet war, die ich aber damals nicht auf meinen Chip bannen konnte.

Talavera petrensis
Gattungssuche Talavera petrensis - Springspinne ♂Springspinnengalerie
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Nr. 2014.5717_20kl_r100 %
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Talavera petrensis
Springspinne ♂
65mm; F/8 (DFF); 1/2s; ISO 640
Canon EOS 50D
Talavera petrensis
Gattungssuche Talavera petrensis - Springspinne ♂Springspinnengalerie
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Nr. 2014.5733_37bkl_r100 %
5733_37bkl_r
Talavera petrensis
Springspinne ♂
65mm; F/8 (DFF); 1/3s; ISO 640
Canon EOS 50D

Diesmal hat es geklappt! Die Art ist zwar in Deutschland weit verbreitet, aber überall recht selten anzutreffen. Ihr bevorzugter Lebensraum sind sonnige Waldränder mit Nadelbäumen.

Das nächste springende Fotomotiv war dann auch gleich mein Highlight der Tour - ein wunderschönes, wenn auch schon leicht lädiertes Talavera petrensis - Männchen.

Wie der vorherige Fund gerade einmal 2 mm groß sprang es mir vor die Füße. Auf dem mit Flechten bedeckten harten Boden war es von oben, trotz seiner imposanten Frontalansicht, nur als ein hüpf­ender brauner Minipunkt zu erkennen.

Hätte sich der Gute nicht bewegt, hätte ich ihn nicht einmal bemerkt, wenn ich auf allen vieren oder sogar robbend auf dem Bauch unterwegs gewesen wäre. So hatte ich natürlich großes Glück. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum es, trotzdem die Art recht häufig und überall weit verbreitet ist, kaum Fotos von ihr im Internet zu finden gibt.

Interessanter Weise hat die Art in Deutschland zwei voneinander völlig unabhängige Verbreitungs­schwer­punkte. Zum einen findet man sie, wie hier, in sandigen und offenen Heidegebieten Nord­ostdeutschlands und zum anderen in den Hochlagen der Alpen oberhalb der Baumgrenze in meist felsigem Gelände.

Sitticus zimmermanni
Gattungssuche Sitticus zimmermanni - Springspinne ♂Springspinnengalerie
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Nr. 2014.6571_73kl_r100 %
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Sitticus zimmermanni
Springspinne ♂
65mm; F/6.3 (DFF); 1.3s; ISO 640
Canon EOS 50D

Sitticus zimmermanni
Gattungssuche Sitticus zimmermanni - Springspinne ♂Springspinnengalerie
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Nr. 2014.6471_79kl_r100 %
6471_79kl_r
Sitticus zimmermanni
Springspinne ♂
65mm; F/5.6 (DFF); 1.3s; ISO 640
Canon EOS 50D
Sitticus zimmermanni
Gattungssuche Sitticus zimmermanni - Springspinne ♀Springspinnengalerie
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Nr. 2014.7193_97kl_r100 %
7193_97kl_r
Sitticus zimmermanni
Springspinne ♀
65mm; F/6.3 (DFF); 1/2s; ISO 640
Canon EOS 50D

Sitticus zimmermanni
Gattungssuche Sitticus zimmermanni - Springspinne ♀Springspinnengalerie
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Nr. 2014.7230_39bkl_r100 %
7230_39bkl_r
Sitticus zimmermanni
Springspinne ♀
65mm; F/6.3 (DFF); 1/1s; ISO 640
Canon EOS 50D

Nachdem der vorherige Fund zwar für mich recht bedeutsam, aber unter dem Aspekt der Seltenheit nichts besonderes war, stellt die nächste Springspinnen-Art, die ich an diesem Tage aufspüren konnte, eine kleine arachnologische Kostbarkeit dar.

Sitticus zimmermanni, wie die Spinne mit wissenschaftlichem Namen heißt, steht in Deutschland auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten und wird dort als "stark gefährdet" geführt. In Brandenburg ist die Art zwar noch etwas häufiger, gilt aber auch hier immerhin noch als "gefährdet". Zu meinem Glück scheint sie aber zumindest in der Schönower Heide keine Seltenheit zu sein. Eigentlich kein Wunder, denn als Lebensraum bevorzugt sie offene Sandflächen, von denen es hier eine ganze Menge gibt.

Alles in allem ein sehr erfolgreicher Ausflug!

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